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Da ich schon seit 13 Jahren in den Bregenzerwald in die Skiferien
fahre, ist der Wunsch entstanden , diese Strecke einmal mit dem Bike
zurückzulegen.
Am 8. Oktober 2011 war es soweit. Nach einem märchenhaften Altweibersommer,
der sich über mehrere Wochen hinzog, waren die Wetterprognosen
für den Freitag, 8. Oktober 2011, alles andere als gut. In den
Nachrichten wurde eine Kaltwetterfront mit starkem Regen und Schnee
bis 1000 Meter gemeldet.
Rolf Schneeberger, der mich begleitete, kam am Donnerstagabend mit
dem Zug in Zofingen an. Sein Rennrad war schon bei mir. Mit dem war
er zwei Wochen früher zur Tour Besprechung von Spiez nach Rothrist
gefahren. Ich holte ihn am Bahnhof ab und wir besprachen das zu erwartende
Wetter, doch beide waren wir uns einig, dass wir bei jedem Wetter losfahren
werden.
In der Firmenkantine nahmen wir noch an einer Abschiedsparty teil.
Roman Hochuli der die nächsten Monate in Grün das Leben verbringen
wird, spendierte Bier und feine Sandwiches zum Abschluss. Anschliessend
gingen wir noch zur Bandprobe von Musik Monkeys. Da aber mehrere Bandmitglieder
wegen Krankheit oder sonstigen Terminen fehlten, war diese Probe nicht
so interessant wie gewohnt. Um 22.00 Uhr verabschiedeten wir uns und
gingen nach Hause noch auf einen Schlummerbecher. Anschliessend gingen
wir zu Bett. Ich wälze mich hin und her, war so aufgekratzt, dass
ich nicht schlafen konnte und zudem hörte ich den Regen an die
Storen prasseln. Nachdem ich wieder aufgestanden war, sass ich in der
Stube und sah dem Regen zu. Es regnete jetzt wirklich stark, dass Wasser
lief über die Strassenlampe hinunter und sammelte sich auf der
Strasse zu kleinen Bächen,die sich in die Abwasserschächte
stürzten. Aber der Schacht konnte nicht alles aufnehmen und so
suchte sich das Wasser den Nächsten und da gab es wieder das gleiche
Spiel. Später konnte ich doch noch ein bisschen schlafen.
Pünktlich um 4.00 Uhr rasselte der Wecker und wir standen auf
und nahmen ein reichhaltiges Frühstück ein. Um 5.00 Uhr machten
wir uns auf den Weg. Das Wetter war im Moment nicht so schlecht. Es
regnete noch ein bisschen und die Strassen waren nass. Wir fuhren über
den Striegel nach Safenwil und weiter über Lenzburg nach Wohlen.
Ich wusste gar nicht, dass es noch so viele Bahnübergänge
gibt. Jedenfalls hatten wir das Glück, dass jeder geschlossen
war. Dies begann vor Kölliken, der nächste war in Oberentfelden
, dann weiter in Lenzburg und der Letzte vor Dottikon. Nachdem auch
da endlich ein Zug kam und die Schranke wieder geöffnet wurde,fuhren
wir via Wohlen und Bremgarten über den Mutschellen nach Zürich.
Dann ging’s zügig dem Zürichsee entlang nach Rapperswil.
Um 9.00 Uhr waren wir nach 102 km in Wagen und konnten das verdiente „Znüni“ einnehmen.
Es gab Kaffee und Wienerli mit Brot.
Nach dem „Znüni“ nahmen wir den Riken unter die Räder.
Nun erwartete uns der schwerere Teil unserer Reise , nämlich die
Bergetappen über den Riken nach Wattwil, dann über Hemberg
nach Urnäsch und weiter an Appenzell vorbei nach Eggerstanden
und dann runter nach Altstätten.
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Ca. 6 km vor Urnäsch, an einem namenlosen Pass auf
weiter Flur , hatte Rolf plötzlich einen platten Vorderreifen.
Nun war guter Rat teuer, denn er führte, da er mit dem Rennrad
noch nie einen Plattfuss eingefangen hatte, nichts mit. Ich hatte wohl
Flickzeug dabei , aber nur fürs Bike und so sahen wir uns einen
Moment nur ratlos an. Dann entschieden wir uns, dass er sein Rad schiebt
und ich nach Urnäsch fahre um Hilfe zu organisieren. Leider war
es dann 12.05 Uhr als ich in Urnäsch ankam und so war der Inhaber
des einzigen Velogeschäfts in der Mittagspause. Nun stand ich
ein bisschen ratlos auf dem Hauptplatz an der Strasse und wusste nicht
so recht wie weiter. Mittlerweile regnete es auch wieder schön
stark und es wurde immer kälter. Plötzlich hielt ein Subaru
neben mir und Rolf entstieg dem Fahrzeug. Er hatte Glück, dass
ihn der erste Autofahrer, der in dieselbe Richtung unterwegs war und
zum Mittagessen nach Hause wollte, mitnahm und ihn nach Urnäsch „chauffierte“.
Wir beschlossen im Rest. Traube eine Mittagspause einzunehmen und zu
warten , bis das Geschäft wieder geöffnet wurde und Rolf
sein Rad reparieren konnte. Die Bedienung im Restaurant staunte nicht
schlecht als wir, nass wie wir waren, in die Gaststube kamen. Sie sagte,
jetzt kommen die Hardcore-Radfahrer, denn mittlerweile hatte es zu
schneien begonnen. Nach einem feinen Rahmschnitzel mit Chnöpfli
liess Rolf sein Rad reparieren. Der Mechaniker gab uns noch eine gute
Wegbeschreibung mit auf den Weg, so dass wir ohne grosse Anstrengung
nach Altstätten kommen sollten.
Der Regen und Schnee hatte ein bisschen nachgelassen und so erreichten wir Altstätten
schon wieder bei Sonne. In Kriessern erkundigte ich mich bei einer Frau nach
dem besten Weg nach Dornbirn. Sie fragte uns, woher wir kommen und als sie hörte,
dass wir zum Mittagessen in Urnäsch gewesen waren, lud sie uns spontan zu
Kaffee und Kuchen ein, da sie in Urnäsch aufgewachsen war. Danach radelten
wir weiter nach Dornbirn. Nun erwartete uns noch das Bödele und da habe
ich schon am Morgen zu Rolf gesagt, dass das unser Sahnehäubchen werden
wird. Dieser Pass hat eine enorme Steigung , die sich mehr oder weniger über
die 8.5 km immer gleich durchzieht. Nach einer Stunde stand auch ich auf dem
Pass, Rolf war vor mir oben und hatte auf mich gewartet. Nach zwei Fotos haben
wir uns wieder auf die Socken gemacht. Es hatte wieder zu regnen und schneien
begonnen. Nun wurde es auch richtig kalt, denn wir waren durchnässt und
mussten jetzt so den Pass auf Schwarzenberg runterfahren.
Nach Schwarzenberg ging‘s weiter über Bezau nach Mellau wo wir uns
bei Sigi und Anita auf 18.00 Uhr zum Bier angemeldet hatten. Pünktlich um
18.05 Uhr waren wir da und die zwei konnte es kaum glauben, dass wir bei diesem
Wetter mit den Rädern gekommen sind. Habe schon nach Schwarzenberg gemerkt,
dass Rolf eine bisschen Mühe bekundete mir zu folgen und daher habe ich
auch ein bisschen langsamer gemacht und auf ihn gewartet. Als wir in der Küche
sassen und statt Bier einen Tee genossen, erfasste Rolf ein starker Schüttelfrost.
Er konnte kaum den Teebecher halten und diesen zum Mund führen. Anita kümmerte
sich rührend um ihn und holte noch eine zusätzlich Jacke um ihn noch
mehr einzupacken. An eine Weiterfahrt war unter diesen Umständen nicht mehr
zu denken, Rolf hatte sich am Bödele kaputt gefahren. Draussen schneite
es immer mehr und auf der Strasse entstand richtiger Schneepflotsch. Da Anita
noch einen Termin hatte und uns die letzten 10 km nicht fahren konnte, rief ich
Oliver, unseren Gastgeber an, er möge uns doch abholen.
Eine halbe Stunde später war Oliver da und wir konnten das letzte Stück
im warmen PKW zurücklegen. In Au angekommen zogen wir die nassen Sachen
aus und begaben uns sofort in die Sauna , um wieder richtig Wärme tanken
zu können. Im Anschluss an die Sauna, Rolf hatte sich wieder prächtig
erholt, setzten wir uns im Bademantel, da wir keine anderen Kleider hatten ,
im „Kaminstüberl“ an die Bar und tranken ein Bier. Um 21.15
Uhr kam dann meine Lebenspartnerin Esther mit dem Auto an und brachte uns die
benötigten Sachen.
Die Reise war trotz den Wetterkapriolen sehr schön. Ich hatte das erste
Mal seit langem den Wind hauptsächlich mit mir und nicht gegen mich. Und
wir haben ein weiteres Mal die Erfahrung gemacht, dass es überall ganz liebe,
zuvorkommende und sehr hilfsbereite Menschen gibt.
Rolf und seine Tochter Sarah werden am Samstag, 15. Oktober 2011, nach Kathmandu
fliegen. Nach einer zweitägigen Busreise in den Nordosten werden sie zu
Fuss 17 Tage im nepalesischen Hochland unterwegs sein und zum Schluss den 6500
Meter hohen Mera Peak besteigen. Ich wünsche den Beiden schöne Erlebnisse,
viele gute Erfahrungen, eine wunderschöne Zeit in Nepal und dass sie gesund
wieder nach Hause kommen.

Die Karte zeigt die vom Garmin (Velonavigation) aufgezeichnete
Strecke.
Walter Müller
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