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Bike Reise nach Valbella GR

   
 

 

Am Sonntag, 3. Oktober 2010 starteten wir, Rolf Schneeberger und ich nach ausgiebigem Frühstück Richtung Luzern. Unser Ziel war am ersten Tag Andermatt, das Wetter war sehr gut und so kamen wir schön voran. Über Willisau, Wohlhusen nach Littau um anschliessend Luzern zu durchqueren. In Luzern hatten wir soviel Glück, dass buchstäblich jedes Rotlicht seinem Namen gerecht wurde und wirklich rot anzeigte. Spätestens in Meggen ging mir das dermassen auf die Nerven, dass ich die Ampeln nach gutem Kontrollblick in alle Richtungen ignorierte und zügig über die Kreuzung fuhr.
In Küssnacht am Rigi wurde der erste Stopp am See eingelegt und ein feines, von zu Hause mitgebrachtes Sandwich verzehrt. Frisch gestärkt fuhren wir Richtung Goldau und weiter nach Brunnen. In Brunnen hatten wir die erste Begegnung mit dem Föhnsturm, dieser frischte immer mehr auf, so dass auf der Achsenstrasse kaum mehr an ein Vorwärtskommen mit dem Bike zu denken war. Spätesten in Flühlen war uns beiden klar, dass wir in Altdorf den Zug Richtung Andermatt besteigen würden. Als wir endlich in Altdorf ankamen mussten wir schon wieder etwas lernen, nämlich, dass die Züge die in Andermatt halten mehrheitlich ab Flühlen wegfahren. Also fuhren wir, dieses Mal mit dem Zug nach Flühlen um dort umzusteigen auf den Zug nach Göschenen.
In Andermatt angekommen suchten wir uns ein Hotel zum Übernachten. Im Gasthaus zum Sternen wurden wir fündig, das Haus hatte eine schöne Rivella Werbung und Manfred Oberbillig war uns mit seiner freundlichen Art sofort sympathisch. Nach einem grossen Bier und einer Dusche gab’s ein feines Nachtessen. Anschliessend diskutierten wir die Auswirkungen für Andermatt, die die Projekte von Samih Sawiris auslösen können oder müssen.

 

   
 
   
 

 

Am Montag 4. Oktober 2010, war das Wetter nicht mehr so schön wie am Vortag. Nach dem Frühstück machten wir uns, wegen des leichten Regens, gut angezogen auf den Weg Richtung Oberalppass. Nach einer knappen Stunde konnten wir auf dem Pass im Ustria Alpsu einen Kaffee trinken. Anschliessend gab’s eine rasante Abfahrt nach Sedrun und weiter nach Ilanz. Von Ilanz ging’s auf der rechten Vorderrheinseite talwärts resp. bergwärts über Valendas und Versam um dann in den Grande Canyon der Schweiz ins Versamertobel runter zu stürzen. Bei der Brücke, die die Rabiusa in 70 Metern Höhe überspannt, machten wir Mittagsrast.
Gestärkt ging’s dann weiter das Tal entlang, um anschliessend die kilometerlange Gerade durch den Bonaduzerwald zu fahren. Über Domat Ems und Chur kamen wir zum Anstieg nach Valbella. Die Hauptstrasse von Chur über Malix nach Churwalden ist steil und mühsam zu fahren. Wegen des starken Verkehrs und der schmalen Strasse ist man mit dem Bike ein Verkehrshindernis. In Churwalden kehrten wir im Restaurant von Heini Hemmi ein. Mein linker Fuss schmerzte dermassen, dass ich als erstes die Schuhe auszog um ihm einen Erholung gönnen zu können. Ich war matt und ausgelaugt, konnte nicht einmal einen Nussgipfel essen und so beschloss ich das Handtuch für diesen Tag zu werfen und für den Rest das Postauto zu benutzen. Rolf fuhr zielstrebig weiter. Ich hängte das Bike hinten an das Postauto und setzte mich ins warme Innere, wobei es mir im übervollen Bus nicht sehr wohl war, denn ich wusste, dass ich nach dieser anstrengenden Fahrt nicht wie frisch geduscht roch.
Beim Depositär Valbella Getränke AG konnte ich mein Gepäck das mir Martin Aeschlimann mit dem LKW dorthin gebracht hat abholen um dann ganz in der Nähe ein Zimmer im Hotel Waldhaus beziehen zu können.
Am Abend kam auch Remo Breu im Hotel an, er war mit Zug und Postauto nach Valbella gekommen um mit uns 4 Tage auf dem Bike zu verbringen. Nach einem Begrüssungsapéro begaben wir uns in den Speisesaal und liessen uns und von Domenica, der Servicefachfrau, kulinarisch verwöhnen.
Am Dienstag war er regnerisch und neblig. Wir beschlossen eine Tour um den See zu fahren und uns die Gegend ein bisschen anzuschauen. Am Ende des kleinen See in Lenzerheide angekommen sagte Remo, dass kann es ja nicht sein, kommt wir fahren da rechts. Schon waren wir unterwegs Richtung Berghaus Tgantieni. Die steilen Rampen machten mir zu schaffen, teilweise musste auch geschoben werden. Im Berghaus angekommen war es natürlich geschlossen und es gab keinen Kaffee. Die Mechaniker die mit der Luftseilbahn beschäftigt waren sagten uns, dass das Restaurant auf dem Scalottas offen sein. Also beschlossen wir den Scalottas mit unseren Bikes zu besteigen. Als wir endlich oben waren, das letzte Stück zu Fuss, da wir im Nebel nur noch den Fussweg finden konnten, gab es die wohlverdiente Pause. Leider war die Aussicht gleich null aber die anschliessende Abfahrt, grösstenteils über einen Singletrail das war unbeschreiblich. Als wir im Hotel ankamen sahen wir aus wie durch den Schlamm gezogen. Zum Glück gab es einen langen Wasserschlauch und wir konnten Bike und Mann abspritzen und vom Dreck befreien.
Am Mittwoch war schönster Sonnenschein und wir machten uns auf den Weg nach Arosa. Rolf hatte sein Ladekabel vom iPhone irgendwo liegen lassen und so konnten wir unsere Handy’s nicht mehr aufladen. Wir hatten am Vortag in Lenzerheide versucht ein Ladekabel zu kaufen, im Hotel die Gäste und das Personal befragt, aber ohne Erfolg niemand hatte ein iPhone und damit auch das entsprechende Kabel mit dabei. Also beschlossen wir nach Arosa zu fahren und da ein Kabel zu besorgen und wenn das nicht klappen sollte weiter nach Chur runter zu radeln um dort sicher eines erstehen zu können. Beim Aufstieg auf das Joch hatte ich plötzlich hinten einen Plattfuss. Da Rolf und Remo ein Stück vorab waren hörten sie mein rufen nicht. Ich begann den Schlauch auszupacken um ihn zu reparieren. Alles war parat und ich öffnete ein neues „Flickzeug“ aber da war kein Vulkanisierungsmaterial dabei und so war ich gezwungen zu warten bis einer von den Kumpels retour kam und mir einen neuen Schlauch gab. Die Fahrt ging weiter und schon bald kamen wir auf der Joch (2020 m) an. Nach einem Kaffe ging die Reise weiter Richtung Ochsenalp. Erst auf einem Singletrail runter um nachher noch steiler wieder bergan zu fahren. Nach schönen und auch steilen Passagen erreichten wir die Ochsenalp (1936 m) da machten wir Mittagsrast. Nach dem Mittag als ich wegfahren wollte, hatte mein Hinterrad schon wieder keine Luft mehr und wir mussten erneut einen Schlauch einsetzten. Dieses Mal brachte Rolf einen Schlauch, er war zwar eine bisschen lang aber es funktionierte trotzdem. Weiter ging’s bergan Richtung Arosa. In Arosa angekommen stürmten wir in den ersten Elektronikladen und hatten gleich Erfolg. Nun ging es um die Frage, gehen wir jetzt trotzdem nach Chur oder übers Hörnli nach Valbella. Wir entschieden uns die Luftseilbahn in Innerarosa auf’s Hörnli zu nehmen und anschliessend das Coulvard auf das Urdenfürggli (2546 m) zu traversieren um anschliessend nach Valbella abzufahren.
Nach 40 Minuten mehr oder weniger Bike tragen durch den Schnee, kamen wir auf das Urdenfüürgli und die Abfahrt konnte endlich beginnen. Nach einem kurzen, steilen und steinigen Abstieg wollte ich das Bike besteigen um loszufahren. Rutsche aber in dem Moment aus und sah mein Vorderrad den Berg runter rollen. Wahrscheinlich hatte ich beim Tragen den Schnellverschluss geöffnet und jetzt stand ich da auf 2500m und hatte nur noch das Hinterrad auf meinem Bike. Rolf war schon ein Stück voraus und Remo übernahm es die beiden Bike’s talwärts zu bringen. Ich musste jetzt die Route verlassen und mein Rad suchen. Wie es so ist, als ich auf die nächst Kante kam und runter sah waren zwei Coulvard vor mir und ich hatte keine Ahnung in welches mein Rad gerollt war. Rolf und Remo begannen die Suche von unten und kamen Bergan, nach ca. 45 Minuten hat Remo das Rad in einem Schneefeld gefunden. Es war noch alles da, die Achse war auch vorhanden und so konnte ich das Rad montieren und talwärts brausen. Lange konnte ich mich aber nicht an meinem Glück freuen. Nach 500 Meter hatte ich hinten wieder Plattfuss. Jetzt hatte ich genug, wir hatten auch keine Schläuche mehr (auch nicht welche zu lange waren) und so donnerte ich die nächsten 45 Minuten mit dem Plattenreifen den Berg hinab bis Valbella.
Im Hotel angekommen wollte Remo sofort mit dem Reparieren beginnen aber ich hatte genug und sagte, dass ich jetzt lieber Biertrinken gehe und so zogen wir das Bier vor - wenigstens Rolf und ich. Nach dem Nachtessen nahm Remo noch einmal einen Anlauf und konnte mich umstimmen. Wir gingen in den Keller und montierten einen neuen Schlauch. Remo bediente die Pumpe und ich war am Ventil. Bei 3 Atmosphären gab es einen gewaltigen Knall und der neue Schlauch war auf 30 Zentimeter völlig verrissen. Nun war es definitiv Zeit sich ins Bier zu stürzen denn an diesem Tag war ich überzeugt, nichts mehr Gescheites zustande zu bringen.
Am anderen Tag machte sich Remo schon vor dem Frühstück auf den Weg um Schläuche aufzutreiben. Nach dem Frühstück setzten wir einen neuen Schlauch ins Hinterrad und komischerweise fühlt er sich heute, nach über 300 Kilometern noch wohl da drin.
Nach der Reparatur machten wir einen schöne Tour Richtung Tiefenkastel nahmen aber den Weg „der alte Schin“ nach Fürstenau, Reichenau, Domat Ems nach Chur wo wir die Altstadt besichtigten. Anschliessend ging’s auf dem Polenweg nach Churwalden. Bei der Abzweigung von der Hauptstrasse Richtung Passugg kam uns Stefan Gerber mit den LKW entgegen. Er hatte mein Gepäck geladen und war besorgt, dass das Gepäck wieder nach Hause kam. Er hielt noch schnell auf eine Begrüssung an. Dann kam der steile Aufstieg auf dem Polenweg nach Churwalden. Dort angekommen machten wir wieder Pause im Restaurant Hemmi und beschlossen dort die Luftseilbahn aufs Spätzerhorn zu nehmen um von dort noch einmal eine traumhafte Abfahrt nach Valbella zu geniessen.
Freitag, so schnell ist der Urlaub vorbei und wir machten uns auf Richtung Chur, Sargans, Walensee, wo wir Mittagsrast machten. Weiter nach Altendorf ins Restaurant Mühlebächli wo es nach einer anstrengenden Fahrt, ab Sargans immer stärker werdenden Gegenwind, eine Pause gab. Weiter ging’s über den Damm nach Rapperswil und dann die Goldküste runter nach Zürich. An der Bahnhofstrasse gab’s ein erstes Bier, da wir uns später am Bahnhof von Remo verabschieden mussten. Er musste am Freitagabend zu Hause sein und nahm ab Zürich den Zug. Rolf und ich fuhren nach Urdorf und stiegen in der erstbesten Absteige ab.
Am Morgen ging’s ohne Frühstück und unausgeschlafen, da die ganze Nacht ein mörderischer Lärm war, Richtung Mutschellen nach Bremgarten. Da machten wir die erste Pause und nahmen Kalorien zu uns. Dann fuhren wir der Reuss entlang Richtung Melligen, dann Mögenwil, Brunegg, Wildegg an die Aare. Dann der „Aare nah“ bis Aarau, da verpflegten wir uns in einem schönen Kaffe. Über Kirchleerau, Staffelbach und den steilen Aufstieg nach Kohlhof und Williberg ging’s weiter nach Reiden, Grod Brittnau, wo wir beim Schwager das erste Bier trinken wollten - aber leider keines da war. Zum Glück war seine Schwester Vreni zu Hause und gab uns eine Flasche Most, weiter ging’s dem Willibach entlang nach Vordemwald und Rothrist.
Nach ca. 550 km und 4000 Höhenmeter ist wieder eine erlebnisreiche Reise zu Ende gegangen. Ich danke noch einmal meinen Kollegen Remo und Rolf für die tatkräftige Unterstützung an meinem schwarzen Mittwoch. Waren doch sie es, die mich mit Ersatzteilen, Rat und Suchen am Fahren gehalten haben.

Walter Müller im Oktober 2010

 

 

 
   
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